@SchlesiM, du hast das sehr schön zusammengefasst, insbesondere auch die Modifikationen am G 184 (wobei das Zweimassen-Schwungrad ja nicht der Leistungssteigerung dient).
In den 1970er Jahren genügten noch dicke Weber Doppelvergaser und Ölkühler, um Käfer von 50 auf 75 PS (oder mehr) aufzubrezeln. Das waren zwar auch nur 25 PS, aber eben auch 50 Prozent. Schon damals redete man über den Daumen von 100 DM pro Mehr-PS. Später kamen auch nachträglich eingebaute Einspritzanlagen dazu, bearbeitete Zylinderköpfe waren guter Standard, schärfere Nockenwellen und für die ganz harten: Übermaßkolben und aufgebohrte Motorblöcke. Das war dann auf jeden Fall teuer, aber überwiegend Mechanik.
Den Siegeszug der Turbo-(Downsizing-)Motoren überspringen ich mal mit einem Satz: Ohne Saugmotoren muss man nicht über Sauger-Tuning reden.
Jetzt gibt es aber noch eine halbe Handvoll Sauger und da überrascht es nicht, dass es auch immer noch einige wenige Kunden gibt, die sich für die Leistungssteigerung interessieren. Von den "klassischen" Maßnahmen aus den 1970ern ist nicht viel übrig geblieben. Die Literleistung ist ohnehin schon viel höher. An einer Hochdruck-Direkteinspritzung modifiziert kein Tuner mal so eben was. Die Fertigungspräzision ist viel besser und vom Aufbohren von Motoren (ursprünglich vor allem zu Reparaturzwecken gedacht) und der Verfügbarkeit von Übermaßkolben habe ich schon ewig nichts mehr gehört.
Was geblieben ist, sind schärfere Nockenwellen und Ölkühler.
Beides wird nach wie vor angeboten und verbaut (und mit 51,13 € pro PS kommt man da eher nicht mehr hin). Was dazugekommen ist, quasi zwangsweise, ist eben die Beschäftigung mit den Kennfeldern. Seriöses Chip-Tuning ist nie einfach, auch nicht beim Turbo, aber es ist möglich.
Im Vergleich zu dem, was bei Turbo-Motoren an Leistung und Drehmoment gewonnen werden kann, bleibt die Leistungsausbeute beim Sauger natürlich überschaubar, auch mit Hardware-Änderungen. Man kann das, wenn man will, lediglich als Änderung der Charakteristik beschreiben. Wobei alleine die Anhebung der Maximaldrehzahl eine wahre Wonne sein kann.
Aber wer es einmal bis in diesen Thread geschafft hat, der interessiert sich eben in der Regel trotzdem dafür. Auch wenn er weiß, dass man (hoffentlich ab Werk vorhandene) Toleranzen ausnutzt, die Verschleißanfälligkeit erhöht und ggfs. Kompromisse bei der Abstimmung an anderer Stelle eingeht.
Eins sollte aber auch klar sein: Bei einem Umbau auf Turbo oder Kompressor und entsprechender Leistung reden wir ja nicht von weniger Verschleißpotential. Hier verlässt man sich dann vollends auf die Kompetenz des Tuners, dass alle notwendigen Bauteile getauscht werden und alle nicht getauschten den höheren Belastungen wirklich standhalten. Und wir reden dann alles in allem eher von 300 DM pro PS (nein, ich will nicht mit denen diskutieren, die einen Edelbrock-Kompressor aus USA im Rucksack selbst importieren und einbauen).
Und da hat Sauger-Tuning für mich dann insgesamt trotzdem ähnlich viel "Sinn", wie vor 40 Jahren. Ist in erster Linie ist es etwas für Spielkinder. 