Ich hatte mir vorgenommen, zu dem Thema nichts kontroverses mehr beizutragen, aber jetzt steht es hier wieder: In der Praxis wird fast einhellig beschrieben, dass Tieferlegungsfedern mit allen OEM-Dämpfern prima funktionieren, nur ein paar Theoretiker, die sich bitte nicht schon wieder dazu äußern mögen, behaupten das Gegenteil. Das kann ich nicht so stehen lassen.
Ganz praktisch, ich bin gefahren:
a) 17.000 km EL Standardfahrwerk
b) 20.000 km EL Dämpfer mit Eibach Prokit Federn
c) 550 km SL Standardfahrwerk (Bilstein-Dämpfer)
d) 6500 km ST-X
Und ich kann ganz praktisch niemandem die Kombination b) empfehlen.
a) hat als bekannte unerwünschte Eigenschaften das relativ hohe Aussehen (fand ich nicht perfekt) und eine deutliche Wankneigung (die auch mir spätestens in S-Kurven nicht gefiel). Der Grund für letzteres ist allerdings nach meinem Dafürhalten, dass das Auto selbst in der serienmäßigen Konstellation eher unterbedämpft ist. Und das wird leider nicht besser, wenn man sich für Variante b) entscheidet.
b) fühlt sich "sortlicher-straffer" an, wankt weniger, senkt den Schwerpunkt. Der Komfortverlust ist absolut akzeptabel, aber natürlich schlagen Huckel stärker durch. Das Wanken ist zwar reduziert, aber das Fahrverhalten verbessert sich nicht wirklich, denn das Auto "kippt" in S-Kurven immer noch hin- und her. Zwar mit verringerter Amplitude, aber durch die geringe Bedämpfung ist die Kontrolle nicht besser. Das Auto ist gar nicht "straff", nur "härter". Insbesondere an der Vorderachse ist der Federweg schon bei schneller Kurvenfahrt aufgebraucht und der Anschlagpuffer liegt auf. Das spürt man, wenn in der Kurve Fahrbahnunebenheiten sind. Da versetzt nicht nur die Hinterachse, das Auto beginnt auch über die Vorderräder zu schieben. Diese Effekte werden mit der Zeit ausgeprägter. Die Federn haben sich erst über einen Zeitraum von sicher 5.000 km endgültig gesetzt und ich bin davon überzeugt, dass die Dämpfer nach 20.000 km nicht mehr gut waren. Wer nur 5.000 km im Jahr fährt, den mag das nicht interessieren, wem es nur um die Optik geht auch nicht. Mich hat es so genervt, dass ich mich für Variante d) entschieden habe.
d) Kommt später, denn aus gewissen, an anderer Stelle nachzulesenden Gründen kam dann erst noch Variante c).
c) fährt sich definitiv um Längen besser als a) oder b). Weniger komfortabel als a), besonders bei kleinen, kurzen Stößen, das muss man klar dazu sagen. Aber deutlich kontrollierter, mit deutlich reduzierter Wankneigung und einem jederzeit gegebenen wunderbaren Vertrauen ins Auto. Einschränkend muss ich sagen, dass ich c) nur mit Winterreifen gefahren bin und mit der Fahrwerkseinstellung ab Werk. Trotzdem besser zu fahren, insbesondere kontrollierter schnell zu fahren, als a) oder b) mit optimierter Fahrwerkseinstellung. Wäre Variante d) nicht schon in Planung gewesen, hätte ich natürlich noch eine Einstellung gemacht und wäre rein fahrdynamisch wahrscheinlich sogar dabei geblieben. Wem meine Ausführungen zu laienhaft sind, der mag sich an Ulli's Thread " OEM Bilstein Fahrwerk in die Exclusiv Line. Umbau, Einstellungen, Fahrverhalten, Daten" halten, der verwendet mein Fahrwerk nämlich weiter.
d) kommt jetzt. Das ST-X ist das günstigste KW-Angebot für den MX-5, dessen bin ich mir absolut bewusst. Ich will niemandem einreden, das was ich gerade gekauft habe, wäre wenn schon nicht das Beste, dann zumindest so gut, dass den Unterschied eh keiner merkt. Alles nicht. Das ST-X ist gut. Es ist vielleicht einen Tacken härter als c), aber das gleiche ich im Vergleich zur Serie durch meine Reifenwahl 205/50R16 und leichte Felgen aus. Es ist einen Tacken besser zu fahren als c), aber ungerechterweise fahre ich das Fahrwerk jetzt schon deutlich länger und mit eingestellter Wunschgeometrie. Von den vier Varianten ist es fahrdynamisch in Summe die beste, mit dem Bonus Tieferlegung ohne nennenswerten Komfortverlust und der Möglichkeit, das Auto optisch hübsch symmetrisch hinzustellen. Oder wahlweise auf einer Radlastwaage auf maximal ähnliche Radlasten einzustellen, aber das werden ST-X-Käufer wohl in der Regel nicht machen. Zusammen mit den Bridgestone Potenza RE002 Adrenalin lässt sich das Auto wunderbar spielerisch kontrollieren und fährt sich wirklich zu 100% alltagstauglich. Es wankt immer noch, ein bisschen. Wem es in erster Linie darum geht, der soll sich halt mit Stabilisatoren auseinandersetzen, mit allen Konsequenzen. Ich werde es nicht tun.
Q&A
1. Ist b) besser als a)?
Je nachdem, was man erreichen möchte, vermutlich ja. Aber nicht auf Dauer gut (Haltbarkeit) und die Gefahr ist groß, dass man später doch auf eine komplette Fahrwerkslösung umsteigt. Wenn man sich dessen bewusst ist, kann ich niemanden davon abhalten, aber ich versuche es immer wieder.
2. Sind H&R Federn besser als Eibach-Federn?
Woher soll ich das wissen, habe ich nicht verglichen. ![]()
3. Sind Federn mit den OEM-Bilsteins nicht doch ausreichend?
Siehe 2. Es gibt einige hier, die damit herumfahren und nicht unzufrieden sind. Wie lange, das wird sich zeigen müssen. Dazu kommt, dass schon mehrere darüber berichtet haben, dass Höhendifferenzen an den einzelnen Rädern mit Tieferlegungsfedern deutlicher zutage traten, ohne dass man eine Ausgleichsmöglichkeit hätte.
4. Ist das ST-X besser oder schlechter als Koni/HR/B14/BC/ ...
Siehe 2.
Ich will niemandem seinen Spaß verderben und letztlich muss jeder machen, was er für richtig hält und bezahlen kann. Aber wie @Gramgebeugt schon sagte: Es hilft nichts, sich in die Tasche zu lügen. Das waren meine ganz persönlichen praktischen Erfahrungen. Nicht mehr und nicht weniger.