Ich weiß nicht, ob Du schon über meinen Hintergrund gestolpert bist. Ich arbeite in der Fahrwerkentwicklung bei einem OEM und bin ausgebildet worden, um solche Beurteilungen zu machen. Dafür reicht mir normalerweise eine kurvige Landstraße aus, wobei ich mehrere Fahrwerke auch auf einem kleinen abgesperrten Rundkurs fahren konnte. Ausflüge in den Grenzbereich gehören mit Einschränkungen dazu, aber mit der entsprechenden Erfahrung, geht das an der geeigneten Stelle ohne viel quietschen und rutschen und man schaut sich nur an, wie das Fahrwerk in gewissen Grenzsituationen reagiert.
Wie genau ich das beurteile, mit welchen Fahrmanövern, etc. führt hier denke ich zu weit, aber ich habe bestimmte Kriterien, die ich mir immer wieder anschaue, wie z.B. Lenkverhalten, Linearität, Führbarkeit, Ansprechverhalten, Balance, Radkontrolle, Stabilität, etc.
Mit dem Reifen hat das erst einmal nicht so viel zu tun. Der ist zwar definitiv die wichtigste Komponente im Fahrwerk, aber er kann auch nur so gut arbeiten, wie das Fahrwerk vorgibt. D.h. die Fahrwerkscharakteristik kann ich normalerweise mit jedem ordentlichen Reifen heraus fahren.
Ich bevorzuge persönlich gute Sportreifen und fahre keine UHPs, oder Semis. Die machen mir das Auto zu steif und mir fehlt das spielerische. Mit einem guten Sportreifen halte ich das Auto beweglich und habe einen guten Übergangsbereich, also einen breiteren Grenzbereich. D.h. ich kann das Auto auch mal ein bisschen anstellen, oder die Vorder- oder Hinterachse mal anrutschen lassen. Der UHP hat einfach viel Grip und damit fahre ich dann zwar schnell aber eher statisch durch die Kurve. Am Grenzbereich wird der üblicherweise zickiger mit härteren Reaktionen und schmalerem Grenzbereich.
Für die Fahrwerksbeurteilung ist entsprechend ein normaler Sportreifen auch besser geeignet, weil ich die Reaktionen des Fahrwerks viel feinfühliger rückgemeldet bekomme. Ein UHP überdeckt da viel und macht die Beurteilung eher schwieriger.
Die Performance eines gut eingestellten Öhlins, oder SPS, ist selbst mit dem vielgescholtenen Bridgestone S001, oder erst recht eines besseren Reifens, im trockenen so gut, dass man das Auto auf der Landstraße gar nicht mehr, oder zumindest nur ganz selten an die Grenzen bringt.
Die Vorteile eines guten Fahrwerks bemerke ich definitiv bei jeder Fahrt und dafür muss ich überhaupt nicht in die Nähe des Grenzbereichs kommen. Das Fahrzeug lenkt besser an, hängt direkter an der Lenkung, die Wankwinkel sind geringer, die Fahrzeugreaktionen direkter und linearer und es geht einfach mehr, ohne dass es brenzlig wird.
Da profitiert man definitiv bei jeder Fahrt.
Das ist auch immer wieder das Ergebnis, wenn jemand der Serie fährt, dass erste Mal den ND mit einem guten Fahrwerk bewegt. Der Unterschied fällt sofort auf und es entsteht ein breites Grinsen im Gesicht
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Zeiten sind nett für die Objektivierung, aber zumindest mir geht es da am Ende nicht darum irgendwelche 10tel Sekunden zu finden. Das ergibt sich gewissermaßen automatisch als netter Nebeneffekt.
Der Hauptvorteil ist das bessere Fahrgefühl im Alltag und wenn ich so etwas beurteile dann ist mein Hauptfokus, ob das Fahrwerk „alles richtig macht“. D.h. ob sich keine Nichtlinearitäten, oder Ecken und Kanten ergeben, in denen das Fahrwerk nicht vernünftig funktioniert.
Das sind dann so Themen wie, wird der Lenkwinkel linear aufgebaut, lässt sich das Fahrzeug gut führen, reichen die Federwege, sind Übergänge weich, ist der Grenzbereich fühlbar und breit genug, etc.
Wenn man den ND wirklich sportlich haben will, dann macht eine Verdoppelung der Federraten, wie bei SPS und Öhlins schon Sinn. Im Gegensatz zum Seriensportfahrwerk mit den Bilstein-Dämpfern hält sich der Komfortverlust dennoch in Grenzen.
Die Serien-Bilstein-Dämpfer sprechen sehr schlecht an, so das Stöße stark ins Auto geleitet werden. Das Auto „hoppelt“ gewissermaßen.
Die Dämpfer des SPS- und erst recht des Öhlins-Fahrwerks sprechen viel geschmeidiger an und nehmen Stöße nicht so stark auf. Es bleiben zwar die härteren Federn aber unter dem Strich hat man immer noch einen guten Komfort.
So ein ND mit Öhlins fährt sich dann vom Komfort gar nich so viel anders, als ein serienmäßiger Golf GTI, oder R, oder andere serienmäßige Sportmodelle anderer OEMs.
Disclaimer: Ich sehe mich definitiv nicht als Raser und respektiere die Straßenverkehrsordnung und insbesondere muss jede Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer vermieden werden. Viele Eindrücke konnte ich auf einem abgesperrten Rundkurs erfahren. Auf der Landstraße spielt sich das im Rahmen der Geschwindigkeitsbeschränkungen ab und das üblicherweise ohne, dass die eigene Fahrspur verlassen wird.