@igzorn
, exakt, die richtige Mischung macht es
Ich persönlich finde das durchaus verwerflich. Deutschen Autokonzernen mittels Subventionen Wettbewerbsvorteile zu verschaffen, wo die doch in den letzten Jahren zig Milliarden an Gewinnen gemacht haben, auch dank der Subventionen, die jeder Steuerzahler letztendlich zahlen muss.
Nehmen wir jetzt mal wieder den Klassenprimus Volkswagen als Beispiel (Nein, Sven nicht um dich zu ärgern, sondern weil er nun mal der größte ist). In 2019 haben die 2,3 Mrd. € für die Folgen des Dieselskandals aufgewendet und trotzdem noch fast 17 Mrd. € operatives Ergebnis eingefahren. Dies entspricht einer Umsatzrendite von 7,3%. Davon träumt jeder Mittelständler in Deutschland!
Was genau sollen uns die 2019er Zahlen sagen? Gehst Du jetzt zu Deinem Bäcker, Friseur, Reisebüro und sagst denen sie sollen sich wegen Corona mal nicht so haben, weil letztes Jahr lief doch alles super?
Davon abgesehen sind diese „üblen“ Gewinne, gegen die Du Dich so echauffierst an vielen Stellen positiv wirksam geworden. Profitiert davon haben u.a. die Arbeitnehmer von VW, mit Gehalt und Bonus, die Gemeinden mit der Gewerbesteuer, die Zuliefererfirmen mit neuen und zuverlässigen Aufträgen, die Aktionäre, z.B. auch der Rentner mit seiner Geldanlage usw.
Es geht um 2020 und die Auswirkungen von Corona. Speziell geht es darum, dass auf der einen Seite höhere Gewalt die Unternehmen in eine schwierige Lage bringt und auf der anderen Seite der Staat die Produktivität durch Auflagen stark eingeschränkt hat. Das ist sozusagen eine behördlich angeordnete Minderproduktivität.
Das genannte Unternehmen Volkswagen verliert aktuell 2 Milliarden € pro Woche und anderen Unternehmen geht es genauso und noch viel schlimmer.
Wenn es richtig gut ausgeht, steht da vielleicht noch eine schwarze Null am Ende des Jahres, vielleicht wird es auch ein Verlust.
Wenn der Markt aber nicht wieder anspringt und die Kunden neue Autos kaufen, z.B. wegen einer schicken Förderung, dann hängt VW demnächst am Tropf und die Staatskasse wird für längere Zeit mit Kurzarbeitergeld und verlorenen Steuereinnahmen belastet.
Du solltest mal sehen, was hier in WOB, BS, GF, usw. los ist. Da werden schon Schulbaustellen auf Eis gelegt und viele andere Projekte gestoppt, weil die Gemeinden merken, dass ihnen die Gewerbesteuer wegbricht.
Ich halte es daher persönlich für mindestens genauso wichtig und legitim zu überlegen, wie man der Industrie helfen kann, wie jedem Mittelständler, jedem Freiberufler und jeder anderen Firma.
Die anderen Staaten werden das für ihre Industrie tun. Da wäre Deutschland mal wieder ganz vorne dabei, wenn wir zur Vermeidung von „Wettbewerbsvorteilen“ der eigenen Industrie dabei nur zuschauen.
Es ist immer einfach auf „die da“ zu schauen, und dann auf Manager, die da oben, oder Großindustrie zu zeigen. Die sind ja unverwundbar und per se böse.
Aber am ende hängen da wie geschrieben Millionen deutsche Arbeitsplätze dran und volkswirtschaftlich ist das nicht sinnvoll, dass die verloren gehen. Denn die Arbeitslosengelder müssen wir auch alle wieder von unseren Steuern zahlen. Und zwar für die arbeitslosen Automobilwerker in diesem Land und nicht die in Japan, Frankreich, oder Amerika.
Insofern finde ich den Spruch mit den „Wettberbsvorteilen“ schon cool. Ja doch, lass uns versuchen hier in Deutschland Vorteile zu erzeugen. Von Vorteilen in Japan haben wir leider nichts, auch wenn wir das mit unseren japanischen Autos durchaus befördern.
Damit ich nicht falsch verstanden werde. Mir geht es hier ausdrücklich „auch“ um die Autoindustrie. Auch viele andere Branchen und Unternehmer werden Hilfe brauchen und ich bin ein starker Befürworter dafür, dass sie die auch bekommen.
Sicher nicht im Sinne von „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“, aber definitiv im Sinne von jeder unnötige Arbeitslose und jeder unnötige Konkurs ist einer zu viel. Denn die Kosten tun volkswirtschaftlich noch viel mehr weh.