Beiträge von Svanniversary

    Genauso. Es ist egal, ob das Einfedern durch Wanken, Bremsen, oder ein Schlagloch passiert. Das Rad läuft immer auf der gleichen kinematischen Bahnkurve.


    D.h. beschleunigen - vorne mehr Vorspur, hinten mehr Vorspur. Bremsen - vorne weniger Vorspur, hinten weniger Vorspur.
    Deshalb sollte man an beiden Achsen nicht zu wenig Spur fahren, denn sonst wird das Fahrzeug beim Bremsen, insbesondere aus höherem Tempo sehr unruhig, weil ggf. eine der Achsen in die Nachspur kommt.

    Ja, wie bei nahezu jedem Auto ist die Kinematik des MX-5 so ausgelegt, dass sich bei Kurvenfahrt durch das sogenannte Wanklenken die Spur und Sturzwerte ändern.


    Vorne beim Einfedern: Weniger Vorspur, mehr Sturz (es wird quasi etwas Lenkwinkel zurück genommen, so dass das Auto weicher in die Kurve fährt)
    Hinten beim Einfedern: Mehr Vorspur, mehr Sturz (die Hinterachse wird also stabiler)


    Beides wirkt stabilisierend und sorgt dafür, dass die Seitenkraft weich und linear aufgebaut wird. Diese Auslegung ist typisch und findet sich bei nahezu jedem Straßenfahrzeug in dieser Form wieder.

    Ja, für die Eingangsvermessung muss das Lenkrad gerade stehen. Das geht zur Not natürlich auch ohne Fixierung. Spätestens für die Einstellung müssen dann Bremse und Lenkrad fixiert werden.


    Das kann je nach Messanlage alle Werte betreffen, da für die Einstellung die virtuelle Fahrachse ermittelt wird, auf die dann alle Werte bezogen werden. Da gehen die Werte der Vorderachse mit ein.
    In den Spurwerten halte ich Abweichungen von um die 2-3‘ zwischen zwei Messungen für normal und bei den Sturzwerten ca. 4-5‘. Schon einige Millimeter Abweichung in der Standhöhe machen ähnliche Differenzen aus. Daher ist es wichtig, dass das Auto gerade auf die Bühne gefahren werden kann und durchgewippt wird.
    Wenn man alle Toleranzen und Fehler berücksichtigt kann es schnell zu Messfehlern im Bereich von 5-10‘ kommen, wobei die Messwerte für die Spur immer genauer sind, als die für den Sturz.

    irgendwann schleifts

    Das ist der eine Punkt und der andere ist der o.G., dass ich mit bestimmten, höheren Sturzwerten nicht mehr so viel Nachlauf einstellen kann.
    Das hat auch mit der Standhöhe zu tun. Je höher das Auto steht, umso mehr Nachlauf kann ich einstellen, ohne dass es schleift. Das Tieferstellen reduziert den Nachlauf, obwohl das Rad geometrisch in der selben Fahrwerkseinstellung steht. Das heißt aber auch, dass ich mit Tieferlegung eine vergleichbare Sturzerhöhung beim Einlenken bekomme, wie in der Serienhöhe mit mehr Nachlauf (weil das äußere Rad mit dem wankweichen Serienfahrwerk ja auch stark einfedert, als „tiefergelegt“ wird und dadurch Nachlauf verliert).
    Bei den üblichen Tieferlegungen von 20-30 mm ist daher ein Wert von 6°30‘ bis 7°30‘ eine gute Empfehlung. In der Serienstandhöhe kann ich auch versuchen über 8° einzustellen.
    Da gilt schon je mehr desto besser, aber nur solange es funktioniert, vom Einstellen und vom Platz im Radhaus.

    Das steht und fällt mit der Qualität der Einstellung.


    Das Lenkrad muss ja fixiert werden. Wenn ich das um 1° falsch fixiere, habe ich schon einen asymmetrischen Spurfehler von 4‘ an der Spurstange. Bei Einstellung auf gesamt 10‘ messe ich dann z.B. 1‘ links und 9‘ rechts.
    Auch der Fahrachswinkel muss sehr genau gemessen werden, weil auch da Fehler in ähnlicher Größenordnung auftreten.
    In der Praxis ist das halb so wild, weil sich die Spur an der Vorderachse immer vermittelt. Aus 0‘/20‘ wird bei der Fahrt dann immer 10‘/10‘ mit einem Lenkrad, dass um diesen Betrag schief steht, als 10‘ x 15,5 /60 =2,6°.
    Wenn man sich im Bereich der von mir empfohlenen 10‘ gesamt bewegt, bekomme ich maximal eine Schiefstellung von ca. 1°. Das ist völlig unkritisch.


    Wenn nach einer Vermessung das Lenkrad schief steht, ist die Ursache fast immer, dass es falsch, also schief, fixiert worden ist.


    Spiel in der Lenkung tritt erst nach sehr hohen Laufleistungen auf und dürfte bei keinem von uns ein Thema sein. Eine moderne DualPinion Lenkung hat einen Spielausgleich mit einem federbelasteten Druckstück, dass das Eingangsritzel in die Zahnstange drückt.

    dass bei Kurvenfahrt am besten 100% Reifenauflagefläche erzielt wird,

    Das ist so ein Kernpunkt der ganzen Fahrwerkauslegung. Es soll möglichst viel Fläche des Reifens mit einer möglichst gleichmäßigen Kraftverteilung auf dem Asphalt stehen, bei Kurvenfahrt, beim Bremsen usw.
    Da haben wir dann schon wieder den nächsten Zielkonflikt. Viel Sturz ist gut für die Kurve. Aber Geradeaus habe ich weniger Gummi auf der Straße mit Nachteilen bei Bremsweg und Traktion.


    Ich mag ja immer Bilder und Vergleiche.
    Man nehme sich eine EC-Karte und eine rauhe Oberfläche. Dann zieht man die Karte hinter sich her über die Oberfläche (positiver Sturz), oder stellt die Karte in Schieberichtung und schiebt sie schräg über die Oberfläche vor sich her (negativer Sturz). Da merkt man sofort den Unterschied.

    Boah, Du bist schon irgendwie der Meinung ich habe hier Langeweile, oder ;) ?


    Bei Fragen, die sich speziell auf die Geometrie beziehen muss ich in der Regel passen bzw. kann nur eine grobe Einschätzung abgeben.

    Szenario mit Frage: Bei einem Fahrzeug wird "viel" negativer Sturz eingestellt. Der Reifen fährt sich innen stärker ab. Wie groß ist der Einfluss? Wie viel von dem negativen Sturz "bleibt" bzgl. "sieht" der Reifen dann bei Kurvenfahrt noch: Fast genau so viel wie eingestellt ist? Fast das, was der Reifen inkl. stärkerer Abnutzung eben sieht? Ca. 50/50? Stützt sich der Reifen letztlich im Wesentlichen auf die Felge, die ja den Sturz hat?

    Mit Nullsturz wird die Lauffläche unter Seitenkraft seitlich weggezogen, so dass sie nicht mehr komplett auf der Straße aufliegt. Der negative Sturz dient genau dazu diesen Effekt zu reduzieren. D.h. mit idealen Sturzwerten, das ist in der Regel im Bereich 2-3° der Fall legt sich die Lauffläche bei forcierter Kurvenfahrt zu 100 % auf den Asphalt und kann die maximalen Kräfte übertragen.
    Wenn der Reifen sich schon stark einseitig, keilförmig abgefahren hat, reduziert sich dieser Effekt. So weit sollte man es aber auch nicht kommen lassen.
    Der Verschleiß des Reifens entsteht in erster Linie bei Geradeausfahrt und wird bei forcierter Kurvenfahrt ausgeglichen (und ggf. durch leicht erhöhte Spurwerte). Wenn das nicht funktioniert, dann passt das Fahrprofil nicht zur Fahrwerkseinstellung und man sollte eines von beiden ändern.
    Wer also eher moderat fährt, sollte auch keine extreme Fahrwerkseinstellung fahren. Wer ambitioniert fährt kann und sollte auch eine schärfere Einstellung wählen.
    Die Felge führt nur. Die Verformung findet im Reifen statt.

    Szenario mit Frage: Zwei MX-5ND (A und B) werden mit identischen Werten eingestellt. Fahrzeug A ist Serie. Fahrzeug B ist 20mm tiefer. Reifenverschleiß gleich. Bis zu wie viel mehr Sturz hat Fahrzeug A in der Kurve, weil es viel stärker einseitig einfedert?

    Fahrzeug A hat bei Kurvenfahrt durch das stärkere Wanken mehr Sturz. Man wird die Fahrzeuge aber in der Regel nicht gleich einstellen. Durch die Tieferlegung erhalte ich mehr Sturz und den nutze ich auch. Im Idealfall so, dass auch bei verringertem Einfederweg gleich viel, oder mehr Sturz zur Verfügung steht, wie mit dem Serienfahrwerk.
    Das ist der Grund, warum man tiefergelegte Fahrzeuge mit 1°45'-2°00' einstellt im Gegensatz zu Serie hinten mit ca. 1°00'-1°'30'.

    Frage: Ist bei einem MX-5 ND mit Serienfahrwerk der Grenzbereich prinzipiell größer als bei einem MX-5 ND mit SPS Street (sonst alles gleich)? Oder ist das Serienfahrwerk im Vergleich schon derart massiv weich, dass Lastwechsel mit dem Serienfahrwerk kaum langsamer statt finden als mit den größeren Federraten

    Gerade durch die weicheren Federn und die größeren Wankraten ist das Serienauto langsamer und hat einen breiteren Grenzbereich. Das Auto hat ja eine Massenträgheit. Je mehr Weg beim Wanken zurück gelegt wird, umso mehr Zeit wird benötigt.
    Mit harten Federn wankt das Fahrzeug wenig. Dadurch wird sehr schnell Seitenkraft aufgebaut und ggf. wird der maximale Schräglauf auch sehr schnell überschritten. D.h. der Grenzbereich wird schmaler und das Auto kann unvermittelter ausbrechen.

    Frage: Welche minimalen Sturzwerte (in Richtung Null gedacht) lassen sich beim MX-5 mit dem Serienfahrwerk einstellen? Mindestens das, was in der Mazda Vorgabe steht? Oder könnte es sein, dass - 0 45 hinten je nach Toleranzen bei manchem Fahrzeug bereits nicht mehr einstellbar sind?

    Es würde mich wundern, aber genau beantworten kann ich das nicht. Bisher haben wir nur Erfahrungswerte zu maximal möglichen Sturzwerten. Minimaler Sturz wird selten nachgefragt.
    Wenn man die Balance anpassen möchte, ist es auch nicht unbedingt sinnvoll, die Hinterachse viel schwächer zu machen, da das insgesamt zu einem leichten und schmierigen Heck führt und insbesondere bei höherem Tempo ein sehr schwammiges Fahrverhalten ergibt.
    Wenn die Hinterachse zu stark ist, macht es mehr Sinn die Vorderachse auch stärker zu machen.
    Wenn ich die Achsen bewusst Schwäche, gibt das immer ein unpräzises und schwammiges Fahrverhalten, während das Fahrverhalten definierter und präziser wird, wenn ich die Achsen durch mehr Sturz und Spur stärke. Das ist der Effekt, den viele bemerken, wenn das Auto von den Werkseinstellungen kommend das erst Mal definiert, z.B. auf die in meiner Signatur verlinkten Werte, eingestellt wird.

    Das tiefergelegte Fahrzeug erlaubt mehr Sturz, oder bei gleichem Sturz mehr Nachlauf.
    Richtig, hohe Sturzwerte reduzieren den möglichen Nachlauf, da beides mit den gleichen Exzentern eingestellt wird. Für hohe Nachlaufwerte, muss ich den vorderen Exzenter in Richtung Fahrzeuginnenseite drehen, was den Sturz reduziert.
    Bei 1° negativem Sturz sollten um die 8°00' bis 8°30' einstellbar sein. Eventuell auch noch etwas mehr.

    Frage: Ab welcher Differenz bei der Spur vorn sollte einem ein schief stehendes Lenkrad auffallen? Kann man mit 20Minuten Differenz bei der Spur vorn noch ein gerade stehendes Lenkrad haben beim MX-5? ( @Wolfram wie war das bei Dir vor der aktuellen, letzten Messung mit 16 Minuten Differenz?)

    Ja, kann man. bei einer symmetrischen Einstellung von 10' je Seite ist die Lenkung sogar exakt gerade. Wenn das Auto einmal so eingestellt wurde und die Messmaschine zeigt dann z.B. bei einer weiteren Messung 0'/20' an, dann liegt häufig ein Messfehler der Geometrieachse vor.
    Ist eine echte Asymmetrie vorhanden, dann sieht man das irgendwann an der Lenkung. Die Lenkübersetzung des ND beträgt 15,5. Fehlstellungen unter 2° nimmt man in der Regel nicht als störend war (zumindest sind das meine Erfahrungen mit Kunden). 2° sind 120' durch 15,5 ergibt eine Abweichung von bis zu ca. 8' an der Spurstange, die nicht wahrgenommen wird. 20' wären entsprechend knapp über 5° am Lenkrad. Das würde man merken.


    Alles nach bestem Wissen. Wenn jemand Ungereimtheiten, oder Fehler findet, immer her damit ;) .