Das ist schwierig. Üblicherweise reden wir da über Reaktionszeiten. Ein weiches Fahrwerk reagiert auch weich und zeitverzögert auf den Input des Fahrers. Ein straffes Fahrwerk mit viel Dämpfung reagiert deutlich schneller. Entsprechend kommt auch der Grenzbereich und ggf. ein Ausbrechen des Fahrzeugs schneller und unvermittelter.
Dadurch das der Reifen mit dem Serienfahrwerk weniger Grip aufbaut liegt der Grenzbereich tiefer, was ihn in der Regel immer breiter macht. D.h. das Auto rutscht früh, aber weich im Gegensatz zu spät und unvermittelt.
Einen weiteren Aspekt finde ich noch wichtig. Mit einem recht weichen Serienfahrwerk fühlt sich der Grenzbereich dann auch eher undefiniert an und ist nicht so sauber heraus zu fahren. Mit einem guten Gewindefahrwerk merkt man als geübter Fahrer eher, wenn man sich dem Grenzbereich nährt und kann das Auto besser führen. Für den ungeübten Fahrer besteht aber immer die Gefahr, dass er das Auto dennoch schnell überfährt und sich auf der falschen Seite des Grenzbereichs wiederfindet.
Dazu kommt noch, dass in der Regel das Geschwindigkeitsniveau mit dem besseren Fahrwerk steigt und sich plötzlich alles bei höheren Geschwindigkeiten abspielt. Die gleiche Kurve wird dann mit 10-20 km/h mehr durchfahren mit den entsprechenden Konsequenzen, wenn man sich verschätzt hat.
Wenn man das natürlich nicht ausnutzt, ist man genau so schnell wie vorher, hat aber deutlich größere Reserven.
Letzter Aspekt ist der Reifen. Für mich immer der wichtigste Faktor. Mit einem Reifen der einen Mördergrip hat, überfordere ich das Serienfahrwerk und schiebe den Grenzbereich des guten Fahrwerks, bei schlechterer Beherrschbarkeit, weit nach oben.
Auf der anderen Seite kann ich auch das giftigste Fahrwerk durch einen guten, gutmütigen Reifen immer etwas entschärfen.
Das ist z.B. auch der Grund warum ich persönlich keine UHPs fahre. Ich nehme lieber ein sehr gutes Fahrwerk mit einem guten Sportreifen und bekomme dann ein Setup, das auch sehr schnell ist, aber dabei gutmütig und absolut beherrschbar, mit dem ich auch Grenzen ausloten kann, ohne dass ich Gefahr laufe, Probleme zu bekommen.
Wenn ich einfach mal versuche eine Zahl zu schießen, dann würde ich in Hinsicht Grenzbereich die Gewindefahrwerke, je nach Reifen, im Bereich 30-50 % zur Serie einordnen. Das soll heißen von der Gutmütigkeit und den Reserven der Serie bleiben ca. 30-50 % über.
Dafür steigt aber natürlich die Performance und der Grip. D.h. das Auto hat mehr Reserven und ich komme auch später in den Grenzbereich. Das ist dann ja auch ein Sicherheitsvorteil, weil z.B. beim Ausweichmanöver mehr geht.
Ich würde jedenfalls niemanden vom Gewindefahrwerk abraten, weil es im Grenzbereich anspruchsvoller zu fahren ist. Mit eingeschaltetem ESC sollte das dennoch niemanden in Verlegenheit bringen und ich gewinne Fahrdynamik, Fahrspass und zusätzlich Reserven, insbesondere wenn man ähnlich wie vorher unterwegs ist und nicht alle Potentiale ausreizt.
Es ist aber sicher hilfreich, wenn man sich der Tatsache bewusst ist, dass das Auto an der Grenze etwas schwieriger fahrbar wird.
Wenn man allerdings den Anspruch hat sich den MX-5 fahrdynamisch zu erschließen, die eigene Fahrtechnik zu verbessern und das Auto auch bis an die Grenzen zu beherrschen, dann ist es vielleicht nicht verkehrt, erst einmal mit dem Serienfahrwerk zu starten. Das trainiert eine saubere Linie und verzeiht eher, wenn man sich doch verschätzt, oder es übertreibt (und wie oft geschrieben übt man das am Besten bei einem Fahrsicherheitstraining).
Wenn man so arbeitet, kommt man wahrscheinlich selber irgendwann an den Punkt, dass das Serienfahrwerk einem nicht mehr reicht und man mehr will.
Ich habe das damals auch genauso gemacht. Leichte Sportwagen mit Hinterradantrieb war ich bis vor 3 Jahren auch nur sehr selten gefahren, also habe ich mich erstmal ein halbes Jahr mit dem Serienfahrwerk an den Wagen gewöhnt. Danach wollte ich dann mehr, weil ich gemerkt habe, dass der Wagen mich limitiert hat und bin zum Gewindefahrwerk gewechselt. Jetzt mit dem Oehlins habe ich das Gefühl, dass mein MX und ich uns auf einem Niveau bewegen und ich gut mit ihm klar komme, ohne das er zu anspruchsvoll, oder zu einfach ist. So soll es sein
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P.S.: Sorry für den vielen Text. Ich war nicht so sicher wie ich die Frage am Besten beantworten kann.