Ja, über den ABS-Hydraulik-Block. Der kann ja radselektiv bremsen bzw. die Bremse schließen.
Die übliche Auslegung und Interpretation der funktionalen Sicherheit sagt aktuell, dass ich diverse Funktionen nur mit EPB umsetzen kann.
Der Hintergrund ist die Forderung nach einer "dauerhaften" Festbremsfunktion. Das kann das ESC-Aggregat nicht leisten, da die Ventile irgendwann zu heiß werden, so dass ich wieder lösen muss.
Hintergrund ist die Gefahr, dass der Kunde, wenn so etwas nach mehreren Minuten passiert, nicht mehr damit rechnet, dass das Auto losrollt und auch bei Bewarnung nicht schnell genug reagieren kann.
Konkretes Beispiel dazu: Das Auto steht festgebremst über den ESC-Block auf der Straße und der Fahrer vergisst, dass die Funktion aktiv ist. Wenn er sich dann z.B. entschließt das Auto, vielleicht etwas schneller, zu verlassen, dann gibt es keine Möglichkeit das Auto zu fixieren, so dass es sich irgendwann ohne Fahrer in Bewegung setzen würde.
Warnungen sind leider an der Stelle nicht ausreichend, selbst mit Tönen und roten Warnlampen, weil man nicht davon ausgehen kann und darf, dass der Fahrer das beachtet.
Das Auto muss in so einer Situation automatisch in den sogenannten "sicheren Zustand" überführt werden können und das geht nur mit EPB o.ä. Funktion.
Daher gibt es im Moment bei nahezu allen OEMs die folgende Unterscheidung:
1.) Fahrzeuge ohne EPB: Nur zeitlich eingeschränktes Stillstandsmanagement innerhalb der Aufmerksamkeitsspanne des Fahrers. Üblicherweise sind das 3 - 10 s, ja nachdem wie ich das Bewarne und den Fahrer informiere.
2.) Fahrzeuge mit EPB, oder vergleichbarer, dauerhafter, automatischer Feststellbremse: Vollständiges Stillstandsmanagement mit dauerhaftem Halten des Fahrzeugs in allen Situationen.
@Brot: Der Berganfahrassistent ist dann ein Stillstandsmanagement nach Kategorie 1.
Praktisch löst mein Arbeitgeber das aktuell so, dass die Autos erst einmal über das ESC gehalten werden (AutoHold) und bei Bedarf (Ventile zu heiß) eine Übergabe an die EPB stattfindet, so dass das Auto dauerhaft und sicher steht.
Das automatische Lösen der Bremse erfordert dann wiederum eine Erkennung der Fahreranwesenheit, damit z.B. nicht das Kind auf dem Beifahrersitz den Anfahrvorgang auslöst.
Üblicherweise passiert diese Fahreranwesenheitserkennung über verschiedene Kriterien wie Fahrertür wurde nicht geöffnet, Fahrergurt gesteckt, Brems- oder Fahrpedal betätigt usw.