Meine Erkenntnis von gestern ist übrigens, dass es doch nen beträchtlichen Unterschied zwischen tiefergelegtem Bilstein und einem echten Sportfahrwerk (in dem Falle KW V3) gibt!
Da ich gestern auch beide Varianten gefahren bin, versuche ich mich mal an der technischen Analyse.
Was subjektiv auffällt ist, dass H&R + Bilstein immer noch nennenswert Wank- und Nickwinkel zulässt. D.h. der Aufbau ist deutlich schlechter angebunden als beim KW V3. Es fährt sich eher minimal besser als das Bilstein Serie, weil es die Wank-/Nickwinkel schon etwas reduziert, verschiebt aber das Feder-/Dämpferverhältnis nachteilig. Während die Bilstein zur Serienfeder recht ausgewogen sind und ausreichend Dämpfkräfte für die Federn bereit stellen, ist das aus meiner Sicht bei den H&R Federn nicht mehr der Fall. Hier wirkt es dann schon leicht unterdämpft und das zeigt sich auch in unruhigem Fahrverhalten und schlecht gedämpften Aufbaubewegungen, wenn es Anregungen aus der Fahrbahn, oder bei Lastwechseln gibt. Genau so arbeitet das Auto relativ stark beim Beschleunigen und Bremsen, was sich in deutlichen Nickbewegungen äußert. Da unsere Strecken gestern gut waren, hatten wir keine gröberen Unebenheiten zu überfahren. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass ich in der Kombi der noch relativ weichen H&R Federn, mit der geringen Dämpfung und der signifikanten Tieferlegung schnell in Situationen komme, bei denen das Fahrwerk durchschlägt. Hier hat das KW V3 Vorteile, da es härter gefedert und gedämpft ist und dazu bei gleicher Tieferlegung noch mehr Restfederweg zur Verfügung stellt.
Der Komfort leidet bei beiden Varianten, aber nur leicht. Mit H&R merke ich die leicht erhöhte Federsteifigkeit und die Stößigkeit der Bilsteins. Diese Stößigkeit fehlt beim V3, aber dafür kommen gröbere Anregungen durch die noch härteren Federn stärker durch. Der Abrollkomfort auf Rauhasphalt und anderen rauhen Oberflächen ist beim V3 etwas schlechter, vermutlich durch die höhere Aufbaufedersteifigkeit und dadurch schlechtere Entkopplung. Subjektiv wiegt sich das zwischen beiden Varianten ungefähr auf und man ist mit Beiden mit einem ordentlichen Restkomfort unterwegs.
Hinsichtlich Fahrstabilität und Sicherheit ist das H&R (mit Taxidriver-Einstellung) noch sehr gut beherrschbar. Die Reaktionen sind eher weich, der Grenzbereich im Vergleich zur Serie leicht erhöht, aber breit. Da ist das KW V3 schon eher mit Vorsicht zu genießen, da der Grenzbereich definitiv höher und schmaler ist und gleichzeitig die Steuertendenz deutlich neutraler. Das ist mit ESC problemlos fahrbar, aber schon anspruchsvoller. Gefahren wurden beide Autos auf Winterreifen, so dass sich diese Aussagen mit Sommerreifen noch verschärfen werden.
Vielleicht als Versuch eines Kurzfazits:
- Bilstein Serie: Spielerisches Handling mit viel Fahrzeugbewegung und Rückmeldung. Gut abgestimmt und sehr fahrsicher.
- H&R + Bilstein: Nimmt etwas Bewegung aus dem Auto, aber zu Lasten einer gewissen Unterdämpfung. Dadurch wirkt das Auto sehr unruhig und hat Nachteile auf sehr unebenen Straßen.
- KW V3: Funktioniert fahrdynamisch hervorragend mit sehr guter Aufbauanbindung. Nachteil bleibt der vergleichsweise sehr hohe Preis.