Hier ist das ab 2:00 min vielleicht noch einmal etwas schöner und differenzierter visualisiert als in dem von mir zuletzt geposteten Video:
Ich interpretiere mal [Interpretationshilfe] so:
- Bei Drehzahldifferenzen wirkt nur die Feder für die Vorspannung in der Mitte des Sperrdifferentials, die ohne nennenswerte zusätzliche Last (Beschleunigen, Motorbremse) aber relativ leicht überkommen wird. Daher kann ich außer bei kräftigem Gasgeben oder starkem Verzögern durch die Motorbremse "ganz normal" und ungesperrt um die Kurve fahren. Stimmt das soweit?
- Gebe ich nun Last auf das Differential UND besteht eine unterschiedliche Lastaufnahme (oder -abnahme, wie man es auch nennen mag) über die beiden Räder links/rechts, habe ich eine ungleiche Drehmomentverteilung auf den Abtriebsachsen. Das Differential will dies nun zunächst über die Planetenräder (P) (im Video nur eins sichtbar) ausgleichen. Dabei (wirkende Torsion wird am Eingriffspunkt zwischen Planetenrad und Seitenrad zur Querkraft) werden die Seitenräder (S) nach außen gedrückt und drücken die Kupplungspakete zusammen, was das Differential sperrt.
Das kann bei unterschiedlich griffigem Untergrund passieren oder bei Kurvenfahrt (wie in Svanniversary s Video schön gezeigt [Link]).
Statt das Rad durchdrehen zu lassen, das weniger Last übertragen kann (kurveninneres Rad oder das Rad auf rutschiger Oberfläche) und auf dem lastübertragenden Rad kein Drehmoment ankommen zu lassen, geht es trotzdem vorwärts. Ich hoffe, das stimmt auch soweit noch. - Der Effekt tritt aber nicht ein, (nur) weil/wenn ein Drehzahlunterschied vorliegt. Die Sperrung entsteht ja nur, weil das Seitenrad in Richtung des Kupplungspakets gedrückt wird.
Das passiert aber nur, wenn ein Drehmomentenunterschied herrscht aber nicht, wenn sich lediglich (lastfrei) die Drehzahlen links/rechts unterscheiden. Wenn dem so wäre (man könnte es sich auch reibungsfrei vorstellen), würde das Seitenrad nicht vom Planetenrad (Konus) zur Seite gedrückt werden und auch nichts sperren. Wenn ich auf der Bühne bspw. im 1. Gang im Leerlauf die Räder drehen lasse, könnte ich also vorsichtig das eine Rad verlangsamen und das andere würde sich schneller drehen (Drehzahlausgleich). Nur wenn ich jetzt heftig eine Seite abbremse oder Gas gebe, habe ich bei der Aktion wieder eine Drehmomentendifferenz und das Differential sperrt. Edit: Hier würde insbesondere Trägheit zum Drehmomentenunterschied führen. Passt das Gedankenexperiment so? Bitte NICHT nachmachen!!! - Was heißt das nun bei Geradeausfahrt (darum ging's hier ja zuletzt)?
Erst einmal, dass außer bei ungleichen Reibungen rechts/links nichts sperren kann.
Außerdem, dass bei gleicher Reibung links/rechts das Auto bei Last (Beschleunigen/Motorbremse) einfach nur geradeaus fahren wird. Sollte die Reibung bspw. am rechten Rad deutlich geringer sein (ergo Drehmomentendifferenz unter Last), sperrt das Differential und das Auto wird vermutlich beim Beschleunigen durch das Mehr an Grip links leicht nach rechts ziehen (bei Motorbremse andersrum), oder? - Was wäre, wenn das Differential defekt wäre und immer sperren würde? Also als hätte sich das ein Drifter festgeschweißt. Naja, bei gleichem Grip auf beiden Seiten auf gerader Strecke nichts. Beide Räder bekommen gleich viel Drehmoment und das Auto fährt geradeaus. Nur bei ungleichem Untergrund zieht es zur gripärmeren Seite. Würde zu den Beschreibungen in diesem Thread nicht wirklich passen, glaube ich, oder?
- Was wäre, wenn die Reifen unterschiedlich groß wären? Dann würde es zunächst zu einer Drehzahldifferenz kommen, weniger zu einer Drehmomentendifferenz. Das Differential würde nicht sperren, sondern die Differenz ausgleichen. Sollte also erst einmal keinen Unterschied machen, wenn man sich nicht auf einer Seite einen griplosen Traktorreifen aufzieht oder so. Ist der Gedankengang nachvollziehbar?
- Was wäre, wenn ein Reifen eine andere Gummimischung hat oder anderweitig weniger Grip hätte? Dann müsste nach obiger Beschreibung (sofern niemand bis dahin widersprochen hat) das Auto beim Beschleunigen zu dieser Seite ziehen (bei Motorbremse andersrum).
Erst einmal bis dahin. Ergibt die Theorie so Sinn? Je nachdem, wie groß die tatsächlichen physikalischen Größen sind, könnten ein paar Effekte evtl. nicht mehr wahrnehmbar sein und so vernachlässigt werden. Insgesamt würde das aber Svanniversary s Hinweise in Richtung Reifen und weg vom Differential noch einmal erklären. Vor allem, da der beschriebene Effekt beim Reifenwechsel (vorne/hinten, soweit ich weiß) weg war. Das Differential könnte nach meinem Verständnis also den Effekt auf keinen Fall auslösen, sondern würde eher (bspw. ungleich große Reifen) kaschieren.
Eine miese Fahrwerkeinstellung (asymmetrisch) wäre schon eher eine Theorie - aber nur, wenn sie einen Reifen ruiniert hätte - denn andernfalls hätte der Reifenwechsel (vorne/hinten) nicht Abhilfe geschaffen. Dann müsste man am Reifen der nun vorne ist aber auch ein ungewöhnliches Verschleißbild sehen, schätze ich.
Hope that helps und dass ich nicht nur eure Zeit mit Lektüre verschwende :-|