Bei meinem Meriva ist die Handbremse elektronisch. Soll heißen es gibt einen kleinen Schalter der eine Mechanik bestätigt. Man hört das richtig.
Macht das irgend einen Sinn, ausser das es teurer ist?
Technisch hat das schon ein paar Vorteile. Die sogenannte elektromechanische Feststellbremse ist tatsächlich teurer als eine simple Stockfeststellbremse mit Seilzügen. D.h. ohne Zusatznutzen würde der Hersteller so etwas nicht einbauen, denn das verschlechtert die Wirtschaftlichkeit.
Ich zähle mal ein paar Vorteile auf:
- komfortable Betätigung mit Schalter
- sichere Erreichung der Haltekräfte unabhängig vom Fahrer (bei der konventionellen Feststellbremse kommt es häufig vor, dass sie zu schwach angezogen wird)
- Automatisierung der Feststellbremsfunktion z.B. durch automatisches Anziehen beim Abstellen und automatisches Lösen beim Anfahren
- Vorteile im Innenraumpackage (kleiner Schalter vs. großer Bremshebel), Elektroleitungen anstatt Bowdenzüge, keine Anpassung an Links-/Rechtslenker (außer ggf. anderer Schalterposition)
- Notbremsfunktion ABS-geregelt auf alle vier Räder wirkend
- Stillstandsmanagement
Der letzte Punkt ist sehr wichtig und wird häufig unterschätzt. Da gibt es z.B. zwei Systeme, die ohne die EPB (elektronische Parkbremse) nicht realisierbar wären, und zwar AutoHold und ACC Follow to Stop.
AutoHold funktioniert ähnlich der Beranfahrhilfe und hält ein gebremstes Auto fest, auch wenn der Fahrer die Bremse löst. Das funktioniert bergauf, bergab und in der Ebene, d.h. das Auto steht immer und ein verrollen wird sicher verhindert. Eine komfortable Funktion bei der der Fahrer den Fuß von der Bremse nimmt und das Auto immer sicher steht.
Bei ACC Follow to Stop bremst der Abstandregeltempomat ACC das Fahrzeug bis in den Stillstand und dann wird das Auto festgebremst (ähnlich AutoHold). Wenn der Vordermann weiterfährt betätigt man Resume und das Auto beginnt wieder mit dem automatischen Folgefahren. Für all das muss der Fahrer nicht ein einziges Pedal betätigen.
Bei beiden Systemen wird das Fahrzeug im Stillstand automatisch gehalten und zwar in dem der Bremsdruck, den der Fahrer eingespeist hat, eingesperrt wird, auch wenn der Fahrer den Fuß von der Bremse nimmt (analog wird der Druck gehalten, der bei der automatischen Bremsung des ACC aufgebracht wurde). Das geschieht über das ESC-Aggregat, in dem die Ventile geschlossen gehalten werden. Technisch wird dazu eine Spule bestromt, die sich dadurch erwärmt. Leider kann man diesen Zustand nur eine begrenzte Zeit aufrecht erhalten, weil die Ventile sonst überhitzen.
Was macht man dann aber? Man kann ja das Auto nicht mehrere Minuten festhalten und dann einfach losrollen lassen. Wenn man so etwas hinsichtlich der funktionalen Sicherheit bewertet, darf man das so nicht machen. Der Fahrer könnte durch Zeitung lesen abgelenkt, oder eingeschlafen sein. Dann würde das Auto einfach unkontrolliert losrollen. Wenn jetzt aber eine EPB im Auto ist, dann wird einfach die EPB geschlossen und danach werden erst die ESC-Ventile geöffnet. Das Auto steht zu jeder Zeit sicher.
Je mehr Assistenzsysteme im Auto eingebaut werden, desto mehr wird man solche Funktionen brauchen und daher steigt auch die Zahl der Fahrzeuge mit EPB.