Beiträge von Svanniversary

    Die orange Anni war aber viel schneller aufgeschnupft als der silberne NA. 😈😁

    Tja, stark auf der Geraden, schwach in der Kurve ;) . Die Annie hat er noch auf der Geraden erwischt.

    Ich kann das gar nicht mit ansehen, wie er das Lenkrad die ganze Zeit führt …

    Da haben wir schon mehrmals gemeinsam drüber nachgedacht …


    Erst einmal glaube ich, dass die Mazda Ingenieure auch richtig gut sind und wissen was sie tun. Das heißt, dass das Auto ab Werk so fährt, wie es fährt, weil es genauso gewollt ist.

    Das steht durchaus im Widerspruch dazu, wie Autos in Deutschland ausgelegt werden und da gibt es nmE unterschiedliche Ziele und Lastenhefte, wie das Auto fahren soll.


    Warum sie das so gemacht haben, bleibt eine offene Frage, über die wir nur spekulieren können.

    Mögliche Lösungsansätze sind ein gewisses spielerisches, aber sehr gutmütiges Handling. Ein wenig loses Heck mit viel Fahrspass, alles fühlt sich schneller und spektakulärer an, ist aber nicht wirklich gefährlich, weil es sich früh und deutlich ankündigt. Das ist für mich die wahrscheinlichste Erklärung.

    Mögliche technische Restriktionen wären eine andere Erklärung, dass sich über Bauraum/Package, Optik etc. gewisse Zielkompromisse ergeben haben und man einige

    kleinere Einschränkungen in Kauf genommen hat, weil man ansonsten andere Ziele nicht erreicht hätte. Wenn man mal ehrlich ist, dann ist das ja auch jammern auf sehr hohem Niveau und viele Fahrer:innen werden ihr Auto so nicht bewegen, oder die Defizite nicht als solche wahrnehmen.


    Ich hatte mal das Vergnügen im Rahmen des Industriepools am Nürburgring ein paar Mazda-Ingenieure und auch deutsche Dienstleister kennen zu lernen, die für Mazda gearbeitet haben. Die Deutschen sprachen in dem Kontext von einer völlig anderen Philosophie, die bei Mazda verfolgt wird. Eher ein gefühlt sportliches Fahren, spektakulär, spaßig, dass fahrzeugtechnisch eben nicht unbedingt „sauber“ sein muss, solange es Spass macht.


    Ich bin da persönlich eher auf der Linie wie auch bei den VDA-Mitgliedern entwickelt wird, ein fahrdynamisch/fahrzeugtechnisch möglichst auch objektiv gutes Fahrverhalten darzustellen, dass sich dafür subjektiv vielleicht auch mal unspektakulär oder langweilig anfühlen kann.

    Das ist auch die Richtung in die ich mit meinem Setup gegangen bin und die ja offensichtlich auch vielen anderen Fahrern hier viel Spass macht - echte, objektive, hohe Performance, mit sauberen und linearen Fahrzeugreaktionen.

    Ich verstehe aber jeden, der die Mazda Serienauslegung, mit ihrer sehr guten Rückmeldung und Gutmütigkeit mag und damit viel Spass hat. Das ist insbesondere für Fahrer mit etwas weniger Erfahrung und Übung eine gute Lösung, die aber für jemanden mit viel Erfahrung und einer Vorstellung der „idealen“ Fahrdynamik nicht so gut funktioniert.

    Danke Svanniversary für den Bericht der viel mehr "WERT" ist da er von einem "wirklichen" Profi kommt 8)

    Formell ist das Thema Fahrdynamik bei mir beruflich nur ein Hobby ;) . Ist mittlerweile schon wieder 16 Jahre her, dass ich selber auf dem Gebiet gearbeitet habe.

    Fährst Du wieder bei NET vorbei oder läuft das in Deiner Hauswerkstatt?

    Wenn ich die Zeit finde, drehe ich ihn selber hoch. Geplant ist aber auch noch die Kontrolle der Fahrwerkseinstellung und ggf. machen wir das da mit.

    Dafür will ich wieder zum Autohaus Rodewald in Hannover und habe gerade einen Termin angefragt.

    Die leichte Keilform ist keine, wenn er mit Fahrer wieder gerade steht und mit Kilos auf der Hinterachse hat das auch nichts zu tun. Im Gegenteil würde mehr Gewicht hinten, das weiter verschlechtern.

    Der Wagen muss mit Fahrer hinten etwas hoch. Meiner steht hinten auch schon ca. 5 mm höher und da kommt jetzt noch ein bisschen was dazu.

    Wie im anderen Thread bereits geschrieben, hatte ich heute endlich die Möglichkeit, einen unserer absoluten Fahrwerksprofis auf meine Annie schauen zu lassen.

    Der Kollege macht sein ganzes Leben schon Fahrdynamik, u.a. auch bei Porsche und ist eine echte Kapazität auf dem Gebiet und weit über unsere Firma hinaus bekannt.

    Umso wichtiger war mir seine Meinung und umso gespannter war ich auf das Ergebnis ;) .


    Mein Setup sollte bekannt sein, noch einmal in Kurzform:

    - Öhlins R&T 70/40

    - 12/13 Klicks vorne/hinten

    - Fahrwerkseinstellung wie in der Signatur (vorbehaltlich, ich muss mal überprüfen lassen, wo das Fahrwerk aktuell steht und ob alles noch passt)


    Schon nach wenig Kilometern kam ein eher erstauntes „der fährt aber richtig gut“. Das war schon einmal nicht schlecht ;) .


    Im Detail fand er die Federabstimmung 70/40 schon sehr knackig/sportlich mit deutlichen Defiziten im Abroll- und Schwingungskomfort, aber fahrdynamisch absolut passend, für ein Setup für die Landstraße mit gelegentlichem Trackeinsatz.


    Die Dämpfereinstellung 12/13 gefiel auch gut, mit linearer Lenkansprache und insgesamt sehr harmonischem Fahrverhalten. Wir haben ein zwei andere Setups ausprobiert, sind aber am Ende wieder bei 12/13 gelandet. Schon einmal ein großes Lob und ein gutes Gefühl, dass mein Gefühl da gepasst hat und ich eine gute Einstellung herausgefahren hatte.


    Die Fahrwerkseinstellung haben wir länger diskutiert, wobei ich ganz dringend mal prüfen muss, wo es aktuell steht und ob die Werte noch passen. Wir waren beide der Meinung, dass die Hinterachse insgesamt etwas lose ist und die Balance eine Spur zu weit hinten.

    Wenn die Einstellung noch passt, werde ich vorne den Sturz noch etwas zurücknehmen, um das Auto besser auszubalancieren. Wenn es sich verstellt hat, wäre das ggf. auch eine Erklärung. Dazu gebe ich dann noch einmal ein Feedback, wenn ich dazu gekommen bin, das Auto vermessen zu lassen.


    Was noch aufgefallen ist …

    Das Auto knickt auch mit dem Öhlins hinten noch leicht diagonal ein und arbeitet nicht zu 100 % sauber und symmetrisch. Den Effekt kennt man von der Serie und das Öhlins kaschiert das schon sehr gut. Wenn man es darauf anlegt und feinfühlig drauf schaut, dann bemerkt man es aber auch mit Öhlins. Tipp dazu war den hinteren Momentanpol höher zu legen, ganz einfach in dem man die Hinterachse etwas höher stellt und das Auto keilförmig einstellt. Das wird bei nächster Gelegenheit mal ausprobiert und dann gebe ich selbstverständlich auch ein Feedback.

    Darüber hinaus ist die Fahrdynamik nicht so schön linear, wie man sich das vorstellt. Das heißt praktisch, dass die Gierbeschleunigung, also die Beschleunigung mit der das Auto eindreht, bei hohen Querbeschleunigungen und schneller Lenkraddrehung zunimmt und das Auto dadurch eine gewisse „Giftigkeit“ hat. Auch das könnte durch die Korrektur des hinteren Momentanpols etwas besser werden.


    Insgesamt war der Kollege sehr begeistert von dem Auto. Fahrspass ab dem ersten Meter fiel als Statement und auch das In- und Exterieur wurden gelobt. Motor und Getriebe, also der Triebstrang fiel extrem positiv auf. Genug Leistung (weniger sollte es nicht sein ;) ), gute Gasannahme, schnelles Ansprechen, geschmeidiger, vibrationsarmer Lauf und hohe Drehfreudigkeit des G184 begeisterten, genau wie das knackige Getriebe.

    Eher neutral, bzw. leicht negativ viel das Feedback zu Haptik von Lenkrad und Bremse aus. Die Lenkung mit etwas zu viel Reibung könnte ruhig noch etwas direkter sein und das Bremspedalgefühl ist schwammig ohne klaren Druckpunkt. Beides Kritikpunkte, die ich gut nachvollziehen kann, wobei das Pedalgefühl schon Welten besser ist, als ohne die Brembo-Bremse vorne. Die Leistungsfähigkeit und Standfestigkeit der Bremse hat dagegen überzeugt.


    Es blieb auf jeden Fall ein breites Grinsen nach einer Fahrt, die sehr viel Spass gemacht hat. Mir auch, denn ich konnte mit einem echten Profi auch mal als Beifahrer erleben, was das Auto kann. Auch für mich war das noch beeindruckend.

    Ein Wehrmutstropfen blieb - man hätte das Auto in dem Setup gerne mal richtig ausgiebig auf einer Rennstrecke bewegt :thumbsup:.


    Mein Fazit

    Das Öhlins in unserer 70/40 Ausführung und einer geeigneten Dämpfereinstellung, als sportlicher Kompromiss hier 12/13, ist ein absoluter Volltreffer und besteht auch das Urteil eines echten Fahrdynamik-Profis.

    Das Auto an sich überzeugt wie bekannt durch gigantischen Fahrspass und tolle Technik.

    Ich habe jetzt noch ein paar kleinere Ansätze um mein Setup zu verfeinern und freue mich schon darauf, die Tipps umzusetzen und auszuprobieren.

    Und last not least war es für mich natürlich eine tolle Bestätigung, dass das eigene Popometer noch vernünftig kalibriert ist und ich hier nicht allzu viel Unsinn verbreitet habe ;) .


    P.S.: Ich habe selber viel mit Fahrdynamik zu tun gehabt, praktisch und theoretisch, aber auch für mich gibt es Leute, wie diesen Kollegen, vor denen ich den Hut ziehe, weil sie noch unglaublich viel mehr Wissen, Erfahrung und Feingefühl für die Autos haben. Es ist ein Erlebnis mit so einem Könner eine Runde zu drehen. Von diesem speziellen Kollegen habe ich selber sehr viel gelernt, er ist fachlich brilliant und in fachlicher und menschlicher Hinsicht ein großes Vorbild für mich.