Beiträge von hifi_nok

    Weil immer wieder wieder dieses "Größenmaß halb so laut/leise" oder "deutlich lauter/leiser" ins Spiel gebracht wird, schauen wir uns das mal ganz oberflächlich an.


    Stellen wir uns vor, wir sitzen im Publikum vor einem Geigenspieler. Der fiedelt so, dass bei uns am Hörplatz ungefähr 70 dB anliegen.

    Jert kommt der zweite Geiger und fiedelt genau so laut, wie sein Partner.


    Haben wir jetzt eine Verdoppelung des Pegels?


    Nein. Am Hörplatz wird es ~ 3 dB lauter, obwohl ja eigentlich die "Energie", die die Geigen abstrahlen, verdoppelt wurde. 3 dB Pegelunterschied wurde vor einigen Jahren noch an der Grenze der Hörschwelle eingestuft. Geübte Ohren können aber sehr wohl einen Unterschied wahrnehmen. Es ist aber niemals "doppelt so laut".


    Jetzt kommt unser Lautheitsempfinden ins Spiel. Da es sich um ein Empfinden handelt, was von vielen Faktoren beeinflusst wird, lässt es sich nicht ganz exakt definieren. Im Rahmen vieler Versuche wurde vor längerer Zeit empirisch ermittelt, wie die überwiegende Anzahl der Hörer diese "Verdoppelung" wahrnimmt. Dazu gibt es sogar eine Maßeinheit: Sone.


    Zum Thema Lautheitsempfinden hier

    Wer sehr viel tiefer einsteigen möchte, wird bei Sengpiel fündig. Dort wird auch der Unterschied zwischen Phon, dB und Sone erklärt.


    Demnach ist also eine gefühlte Verdoppelung (oder Halbierung) der Lautheitsempfinden ein Sprung von 10 dB. Im Falle unserere Geigen bedeutet das:

    Es müssen 10 Geiger spielen, damit wir eine gefühlte Verdoppelung des Lautheitsempfinden erreichen.


    Übrigens, das gilt auch für unseren Verstärker in der Stereo-Anlage. Für "doppelte Lautstärke" wird die 10-fache Lesitung erforderlich. Daher ist es für den max-Pegel, den unsere Anlage vielleicht abgeben kann, in der Praxis völlig irrelevant, ob ein Verstärker 100 Watt oder 110 Watt liefern kann.


    Wie "laut" wir etwas empfinden oder wann ein Geräusch sogar "störend" wird, ist unglaublich kompliziert und höchstwahrscheinlich auch nicht messbar.


    Bestes Beispiel: Wir schlafen in einer lauen Sommernacht bei offenem Fenster und stören uns nicht daran, wenn ein Bach plätschert. Summt aber im gleichen Zimmer, in der gleichen Nacht eine Mücke um unser Ohr, drehen wir durch.

    Auf dem Motorrad ist es ab einer bestimmten Geschwindigkeit für die Lautstärke sch..egal, ob da ein Boxer, ein Einzyliner oder japanischer 4-Zylinder werkelt, weil irgendwann der Punkt kommt, dass das Windgeräusch alles andere übertönt. Ab wann dieser Punkt kommt, ist aber nicht exakt zu sagen, weil sehr viele Faktoren eine Rolle spielen. Ist das Motorrad verkleidet, hat es eine hohe/niedrige Scheibe, wie bilden sich hinter der Scheibe Verwirbelungen aus, wie groß ist der Fahrer, wie aerodynamisch ist der Helm, offenes/geschlossenes Visier....


    Daher ist es nicht einmal ein Widerspruch, wenn mehrere MX-Fahrer zu unterschiedlichen Aussagen kommen. Es kann schon ausreichen, wenn einer etwas größer/kleiner ist oder den Sitz weiter vor/zurückschiebt Je nachdem wie sich hinter der Scheibe die Verwirbelungen bilden, werden sich in Kombination mit der Sitzposition auch die Erfahrungen unterscheiden. So ungefähr steht das auch im o. a. Artikel mit dem Anstellwinkel der Frontscheibe.


    Unterm Strich kommt irgendwann der Punkt, wo du entscheiden musst: Der MX (egal welche Version) passt oder passt nicht.

    - Gehörschutz: Preislich sicherlich eine tolle Option, aber Innerlich sträube ich mich noch etwas dagegen. Gerade bei Fahrten zu zweit ist das doch etwas viel verlangt für "komm, wir nehmen den Mazda".


    Willste quatschen oder fahren ;)


    Spaß beiseite. Mein gutes Gewissen greift auf Tour automatisch zur Mittelkonsole und holt die vom Hörgeräte-Akustiker angepassten Stöpsel raus - für uns beide.


    Und in einem Mini Roadster, im BMW Z4 Cabrio und im 911er ohne Dach werden während der Fahrt auch keine tiefergehenden Gespräche zwischen Fahrer und Beifahrer geführt. ;)


    In der Andermattrunde im 911er war der längste Satz. "Halt da vorne mal an, ich muss pinkeln."


    - Sound Enhancer: Das klingt nach einer tollen Möglichkeit! In welchen Modellen ist er denn verbaut, denn die Preisliste schweigt sich darüber aus? Und sind die 3-4 dB im Stand oder während der Fahrt (mit Windgeräuschen) gemessen?


    Das habe ich - auf keinen Fall wissenschaftlich genau - im Stand gemessen mit Handy-App auf der Mittelkonsole, Dach geschlossen. Ab und zu ein paar Gasstöße. Natürlich vor und nach dem Umbau.


    Von daher kann ich sagen, ja es ist etwas leiser. Und da das schnell gemacht ist, spricht kaum was dagegen. Wenn du keine zwei linken Hände hast, sind das vielleicht 30 - 45 Minuten Arbeitsaufwand. Im Forum findest du eine detaillierte Anleitung.

    Was wir nicht vergessen dürfen ist das menschliche Gehör und seine Eigenschaft, unterschiedliche Frequenzen unterschiedlich zu "empfinden".


    Wer hier genauer einsteigen möchte, kann unter dem Suchbegriff "Fletcher-Munson-Kurve" im i-net jede Menge Artikel finden.


    Ganz einfach und somit nicht wissenschaftlich genau

    Wir empfinden sehr tiefen Bass nicht so laut, wie zum Beispiel eine Trillerpfeife. Auch wenn der Bass lauter ist, als die Pfeife.


    Da aber - wie im o. a. Artikel auch erläutert - in erster Linie tieffrequente Pegel vorliegen, empfinden wir das vielleicht gar nicht so doll. Daher gehen uns vielleicht verhältnismäßig leise Klappergeräsuche aus dem Mittelfach eher auf den Keks, als das tieffrequente Windgeräusch, obwohl das Klappern verhältnismäßig leise ist. Für den Gesamtpegel und somit für die Belastung des Gehörs aber gilt schlicht und ergreifend der Pegel am Messgerät.


    Oder: Ob 85 dB von einer Kreissäge oder von einer Bassgitarre kommen, ist egal, Wir empfinden es nur unterschiedlich.


    Wer da noch tiefer einsteigen möchte kann z. B. auch mit den Begriffen "Lärm, Einwirkdauer, Gehör" stöbern. Dabei geht's nur und auschließlich um Pegel. Nicht um Kreissäge, Bassgitarre, Windgeräusch

    Hier nur ein Beispiel

    Einen Satz aus dem Artikel habe ich glatt vergessen....


    Zitat

    Die gewonnenen Messergebnisse zeigten nur geringe Unterschiede zwischen den einzelnen untersuchten Cabriolets, d. h. im kleinen japanischen Mazda MX5 wurden nahezu dieselben Geräuschpegel wie im großen britischen Bentley Continental GT gemessen.


    Ich glaube, dass der Bentley gar nicht mal so schlecht gedämpft ist ;)

    Gefühlt 5x leiser?


    Du weißt doch selbst, dass eine gefühlte Halbierung des Pegels -10dB bedeutet.

    Menschliches Hören und Lautheit
    Das Gehör bewertet Schall nicht linear: Es hört unterschiedliche Frequenzen bei gleichem Schalldruck unterschiedlich laut, es empfindet Lautheit anders…
    avitect.de


    Du redest also mal locker von mind. -20 dB in einem (halb)offenem Auto.


    Hier gibt's einen prima Artikel zur Lärmbelastung im Cabrio

    https://www.arbeitsplatz-laerm…3%A4rmbelatung-im-cabrio/


    Hier mal drei Zitate aus dem Artikel

    -Die Geräuschbelastung im offenen Cabriolet ist jeweils ausgesprochen tieffrequent.

    -Die Geräuschbelastung wird vor allem durch den Fahrtwind und andere Fahrzeuge auf der Strecke bestimmt (siehe [4])

    -Beim Mercedes und beim Porsche ist das Motorgeräusch ist bei dieser Geschwindigkeit jeweils noch hörbar, liegt aber deutlich unter den Geräuschen des Fahrtwindes.


    Bitte unbedingt beachten, dass die Messwerte im Artikel nicht 1:1 auf den aktuellen MX übertragen werden können. Aber so ungefähr haut's hin. Bei lockerer Landstraßenfahrt (natürlich ohne Radio, offen, hohe Seitenscheiben) habe ich zwischen den Sitzen mit Handy-App ca. 75 dB gemessen (da sind natürlich Ungenauigkeiten vorprogrammiert).

    Da also in aller erster Linie bei allen Cabrios das Windgeräusch für den Pegel verantwortlich ist, muss jeder selbst abwägen, was an der Stelle Dämmung/Dämpfung für eine Größenordnung darstellt. Und wie wahrscheinlich jeder von uns MX-Fahrern aus Erfahrung weiß.... spätestens, wenn du auf der BAB an einer LKW-Kolonne vorbeifährst geht's über 90dB hoch. Vom Autobahntunnel will ich gar nicht mehr reden.

    Guter Einwand, ist aber nicht tragisch. Also nicht etwa, dass man den Rettungswagen nicht hören muss ;)



    Beim Hörgeräte-Akustiker sagen, dass man die Dinger für's Auto benötigt. Dann werden entsprechende Filter eingesetzt, die "Restanteile" durchlassen. Im Ergebnis wird der Pegel gesenkt, aber nicht so massiv, dass man nichts mehr hört.


    Das geht dann in diese Richtung


    Sollte jeder gute Hörgeräte-Akustiker umsetzen können.


    Die sog. Tannenbäume, die man im Motorradladen bekommt, gehen natürlich auch, sitzen aber nicht immer perfekt. Was natürlich vom Gehörgang abhängig ist.

    Hier auch nur ein Beispiel von vielen

    Ein relativ leichtes und noch dazu (halbwegs) offenes Auto vs. leises Auto ist ein klassischer Zielkonflikt.


    Klar könntest du über Dämmungen nachdenken, ist aber ein irrer Aufwand mit eher überschaubaren Ergebnissen. Der Ausbau des Soundenhancer ist da sicherlich die erste Maßnahme und bringt ungefähr 3 - 4 dB im Innenraum (nach ganz grober quick & dirty-Messung).


    Kurioserweise wurde die simpelste Maßnahme bisher nicht erwähnt. Billiger und effektiver geht's nicht - nur ein Beispiel von vielen Anbietern:

    https://www.kind.com/de-de/magazin/hoeren/besser-hoeren/gehoerschutz/angepasster-gehoerschutz-kosten


    Mein Tipp: Hin zum Hörgeräte-Akustiker und eine Maßanfertigung machen lassen. Die Dinger können den ganzen Tag im Ohr bleiben, da drückt nix. Sind aus Silikon, halten ewig und lassen sich einfach mit Wasser und etwas Seife reinigen. Soviel Dämmung kannste gar nicht verbauen, um zu vergleichbaren Ergebnissen zu kommen.


    Gut, die Sache mit dem Autoradio... Aber Musik im MX ist ebenfalls ein Zielkonflikt ;)