Ich glaube, da überinterpretierst du gerade ein bisschen. Das Hauptproblem ist, dass der TÜV kräftig (erfolgreich) Lobbyarbeit betrieben hat.
Die über viele Jahre gängige Praxis, dass der Reifenhersteller mit einer Prüforganisation einmalig eine Abnahme eines Reifens auf einem bestimmten Modell macht und dann Mithilfe dieser Unbedenklichkeitsbescheinigung der selbe Reifen auf allen Motorrädern dieses Modells gefahren werden darf, hat nämlich ein ganz großes Problem: Dafür bekommt der TÜV nur einmalig Geld. Viel mehr kann man aber verdienen, wenn jetzt jedes einzelne Motorrad selbst zum TÜV hin muss und den Reifen nochmal eintragen darf. Und noch mehr kann man verdienen, wenn man den Sachverständigen sagt, dass sie das nur eintragen dürfen, wenn trotzdem eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Reifenherstellers vorliegt. Dann verdient man nämlich am Reifenhersteller das Geld, das man schon immer verdient hat und außerdem an jedem einzelnen Kunden dieses Reifens nochmal mit.
Ich sehe es als Riesen-Vorteil, dass sie immerhin mitgedacht haben und die früher gängige unsinnige Reifenfabrikatsbindung oder Herstellerbindung rückwirkend aufgehoben haben. Ich glaube, das gilt nur für Moppeds mit EG Typgenehmigung, aber da gibt es regulatorische Gründe für.
Ich sehe das nicht als gezielten Angriff auf ältere Motorräder, sondern einfach als großen Griff ins Portemonnaie vieler (zukünftiger) Kunden. Die Erschwernisse für ältere Motorräder sind da eher Kollateralschäden.
Die Neuregelung wurde übrigens schon 2018 oder 2019 beschlossen und trat bereits 2020 in Kraft. Es gab nur großzügige 5 Jahre Übergangszeit, damit nicht Motorräder auf einmal "über Nacht" illegal werden. Da hätte dich deine Werkstatt / dein TÜV-Prüfer also eigentlich schon die letzten 3 mal drauf hinweisen können / sollen.