Beängstigend, wenn man mit einem 1.000kg leichten, offenen Fahrzeug heutzutage unterwegs ist:
“Heute sieht es anders aus. Man sieht aufgerissene Kühler-Mäuler, Motorhauben mit Zornesfalten, Scheinwerfer, die an die Augen heimtückischer Killer-Insekten erinnern, Autos mit geschwollenem Hals und hervortretenden Blechadern. Ein Mercedes SUV, der aussieht, als habe man einen Kampfstier mit flüssigem Metall übergossen.
Einen BMW, der wie eine geballte Faust auf Rädern wirkt. Herangalopierende, benzinsaufende Raubtiere, bereit, ihre Beute in Stücke zu reißen. Dieser Look ist kein Zufall.
Wo das Auto der 60er Jahre noch mit großen Glasflächen seinen stolzen Fahrer wie in einer Vitrine zur Schau stellte, verschwinden die Autofahrer heute hinter abgedunkelten, schießschartenartigen Schlitzen. Das Auto trägt Sonnenbrille, das Design zeugt von einer skeptischen Weltsicht. Der Fahrer sieht den öffentlichen Raum nicht mehr als Versprechen, sondern als Zone voller Bedrohungen, gegen die er sich mit Airbags und hohen Gürtellinien zu wappnen hat.
Das neue Autodesign verspricht nicht mehr nur Komfort und Sicherheit. Es geht erkennbar um die Einschüchterung und Demütigung anderer Verkehrsteilnehmer durch Blechmäuler und Kotflügelfeuste. Im Autodesign bildet sich ein grundlegender Wandel ab, der weit über stilistische Moden hinausgeht.
Die Autos, die vor 50 Jahren auf den Markt kamen, wurden fürs Best-Case-Szenario entworfen. Sie waren leicht, elegant und offen. Vehikel für eine Zeit, in der[…]”
Von Essay und Diskurs: Verkehrswende - Der Kampf ums Auto – Freiheit, Klima und die Zukunft der Städte, 12. Juli 2026
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